Samstag, 7. Mai 2022

 Les amis de Wilhelm Jensen

 

Bulletin 2

janvier 2022

 

Vorwort:

 

Die freundlichen Reaktionen auf unser erstes Bulletin sind ermutigend, freilich nicht in dem Sinne, dass gleich eine Gesellschaft mit allen Institutionen gegründet werden könnte, sondern dass sich ein Kreis von interessierten Lesern  zusammenfindet und erweitert. Dies geschieht in unseren beiden Sprachräumen, weil gerade der Nachhall der Freud'schen Analyse von Jensens "Gradiva" in Frankreich am größten und aktuellsten scheint, während man in der deutschen Literaturkritik der 90ger-Jahre noch lesen konnte, es handle sich um eine drittklassige Novelle. Paradoxerweise ist diese mittlerweile in weitere Sprachen, z.B. auch ins Türkische übersetzt und von keinem Geringeren als Alain Robbe-Grillet filmisch adaptiert worden.

Die Einschätzung Jensens beruht hiermit nur auf einem, freilich originären Ausschnitt aus seinem Gesamtwerk von ca. 150 Novellen, Dramen, Gedichtbänden und meist historischen Romanen. Kein Germanist kann wohl den Hauptteil strukturieren oder angemessen beurteilen. Diese Fülle entsprach thematisch sehr erfolgreich dem Zeitgeschmack der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts.

Jensens literarischen Freunden Theodor Storm und Wilhelm Raabe ist es in der Rezeption seither besser ergangen. Zum einen ist ihr Werk überschaubar und die Städte ihres Schaffens, Husum wie Braunschweig, pflegen ihr Andenken mit Gedenkstätten, Gesellschaften und literarischen Preisen. Ihre Werke sind neu ediert und in Jahrbüchern diskutiert. Zwar erfreut sich Jensen auch der Reprint-Welle, bleibt dort jedoch typologisch veraltet und unkommentiert. Sogar Jensens vergessene Zeitgenossen Heiberg oder Franzos stehen besser da, obwohl der Hofenberg-Verlag seit 2017 immerhin zehn Bände Jensen, darunter auch Novellen wie Gradiva in neu gesetzter Typologie anbietet. Wünschenswert wären weitere Neuausgaben seiner Novellen sowie ein Überblick über seine zahllose Korrespondenz nicht nur in Marburg und Kiel.

Und es dafür fehlt nach wie vor ein Zentrum, wo alle Werke zu finden wären. Wir favorisieren dafür geduldig das Museum in Wilhelm Jensens Geburtsstadt Heiligenhafen, wo zwei seiner Novellen spielen, "Ein Traum" und "Der Herr Senator".

R.P.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Bibliographisches: Gradiva

 

 

Johannes Cremerius: Freud und die Dichter. Giessen (Imago, Psychosocial-Verlag) 2003.

 

Jarek Kracht: Psychoanalytische Literaturinterpretation am Beispiel Sigmund Freuds "Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva", 23 pages, 1. Auflage 2008 GRIN Verlag (adresse ci-dessous).

Anna Sophia Hofmeister: Jenseits der Vernunft. Das Unbewusste in Wilhelm Jensens Erzählung Gradiva. In: Helikon. A Multidiscliplinary Online Journal 2, 2012, S. 211-221.

 

Nora Pröfrock: Freud als Leser von W. Jensens "Gradiva", 14 pages, 1. Auflage 2002 GRIN Verlag, http://www.grin.com/

 

M. Rohrwasser / G. Steinlechner / J. Vogel u.a.: Freuds pompejanische Muse: Beiträge zu Wilhelm Jensens Novelle "Gradiva". Wien (Sonderzahl) 1996.

 

 

Klaus Schlagmann: Gradiva, Wahrhafte Dichtung und wahnhafte Deutung. 1. Auflage 2012 (500), Verlag Der Stammbaum und die 7 Zweige, Klaus Schlagmann, Scheidter Strasse 62, D 66123 Saarbrücken.
(Das Verdienst dieses kritischen Psychologen ist, Freuds biographische Hypothesen zu Jensen dokumentarisch mit Hilfe des Familienarchivs Jensen/Heyck verifiziert zu haben, z.B. durch die Entdeckung von Jensens Jugendliebe Clara Witthöfft, die 1857 verstarb, vgl. S. 93 ff. Ein motivischer Überblick über zahlreiche Werke Jensens zeigt die Rekurrenz dieser tragischen Erfahrung. Vgl. S. 78 ff.)

Walter Schönau / Joachim Pfeiffer: Einführung in die psychoanalytische Wissenschaft. Stuttgart/Weimar ( J.B. Metzler) 2003. Vgl. Jensen S. 18, 88, 94, 96f., 128.



Bernd Urban: Psychoanalyse und Literaturwissenschaft. Deutsche Texte. Tübingen(Max Niemeyer) 1973. (Einleitung par Bernd Urban, puis articles d'auteurs assez anciens, Stekel, Theodor Reik, Jung, Otto Rank, le plus récent étant Pongs (1933). Il est question de Jensen, Gradiva, p. XXIV, XXVIII, 156, 159, 164, 226ff., 239.)

Bernd Urban (Hg.): Sigmund Freud. Der Wahn und die Träume in W. Jensens "Gradiva". Mit der Erzählung von Wilhelm Jensen. Frankfurt/M. (Fischer 10455) 1995.

 

Bernd Urban / Winfried Kudszus (Hg.):
Psychoanalytische und psychopathologische Literaturinterpretation. 1981, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1981, S. 93. 

 

En français:



Edmundo Gomez Mango/J.-B. Pontalis: Freud avec les écrivains. Editions Gallimard 2012. (contient: Avec la Gradiva, pages 201-222. Dans les références est citée: "L'ombrelle rouge, traduction de Jean Bellemin-Noël, Paris (Imago) 2011).

 

Jean Mattern: De la perte et d'autres bonheurs. Une lecture de Sigmund Freud, Le Délire et les rêves dans la Gradiva de W. Jensen. Gallimard, 2016

Jean-Bertrand Pontalis: La jeune fille. Préface à Sigmund Freud, "Le Délire et les rêves dans la Gradiva de W. Jensen". Folio-essais, Gallimard 2006.

Michel Valtin: Freud et la Gradivade Jensen.

1. Les désaccords partiels de Freud et de Jensen au sujet de Gradiva.Charlieu (La petite revue de l'indiscipline numéro 2005) 2017.

2. Les lettres de Freud à Jensen, publiées pour la pemière fois en 2012.

Ibidem Numéro 209, 1.

3. Les lettres de ..... Numéro 213, 2.

(Extraits traduits prévus dans le bulletin 3)

 

Ouvrages plus généraux :

 

Jean Bellemin-Noël: Psychanalyse et Littérature. PUF Quadrige 2002. (il est question de Gradiva pages 176-186). 

Paul-Laurent Assoun: Littérature et Psychanalyse.Ellipses. Paris (edition’s marketing S.A., 1996. (Contient: VI. Fantasme et écriture du désir. La Gradiva de Jensen à l'épreuve de la psychanalyse, pages 67-77).
R.P./M.V.

 

 

 

 

 

Der Schatzgräber. Literarische Monatsschrift 

10. Jahrg., Heft 5, Februar 1931, S. 19-22

 

 

Wilhelm Jensen

Erinnerungen aus seiner Jugendzeit in Kiel.

Gedenkblatt zum 15. Februar, dem 94. Geburtstag

 

Von Nanny Friedrichs, geb. Heiberg

 

Im Sommer des Jahres 1859 erhielt ich eine Einladung von Frau Etatsrat Schröder in Kiel, einige Wochen bei ihnen mit den Töchtern zusammen zu verleben. Schröders waren sehr befreundet mit Fräulein Moldenhauer, einer alleinstehenden reichen Dame, die (S. 20) in der Brunswiek ein eigenes Haus mit großem Garten bewohnte. Sie hatten den kleinen elternlosen Wilhelm Jensen in ihre Obhut genommen und ihm eine Heimat geschaffen. Nachdem er ohne Schwierigkeiten die Schule durchgemacht und das Abitur bestanden hatte, studierte er Philosophie, und er war in die Burschenschaft Teutonia eingetreten.

 

    Im Hause meiner Gastgeber lernte ich Wilhelm Jensen kennen. Er war groß und schlank gewachsen, er legte gar keinen Wert auf seine Kleidung, aber er suchte etwas darin, ganz anders zu sein als seine Kameraden. Wenn wir jungen Mädchen Jensen kommen sahen, lachten wir immer über seine gewollte auffallende Erscheinung, denn um auch äußerlich zu zeigen, daß er ein Nachkomme der Teutonen sei, trug er anstatt eines Mantels ein Plaid, das er sich um die Schulter schlug. - Wenn nicht größere Ausflüge unternommen wurden, so traf sich die Jugend nachmittags in dem großen Garten von Fräulein Moldenhauer zu dem damals so beliebten Bocciaspiel, für welches ich die langen, breiten Gartenwege besonders gut eigneten. Eines Vormittags kam Wilhelm Jensen auf Veranlassung seiner Tante zu Schröders und bat um die Erlaubnis, daß wir drei jungen Mädchen in einem Lustspiel mitwirken dürften, das bei einer Abendgesellschaft, die Fräulein Moldenhauer geben wollte, aufgeführt werden sollte. Wir erhielten die Erlaubnis und nachmittags fand im Garten die Leseprobe für die neun Mitspielenden statt. Jensen hatte die "Dienstboten" von Roderich Benedix ausgesucht, und die Hauptrollen wurden von uns drei und von Jensen und seinen beiden intimsten Freunden gegeben, dem späteren Professor Dohrn in Königsberg und dem Medizinalrat Türk in Lübeck. Jensen war ein strenger Spielleiter, er wünschte, daß diese Dilettantenvorstellung besonders gut ausfallen sollte. Er hatte alles vorbereitet, die Bühne war im Saal errichtet, alle Requisiten waren zur Stelle und mit Eifer und Begeisterung wurde gespielt. Nach dem Beifall der Zuschauer zu urteilen, war die Aufführung vorzüglich, und der damalige Gymnasialdirektor Horn, der zu den scharf kritisierenden Gästen des Abends gehörte, lobte in seiner Tischrede die Schauspieler, besonders aber Jensen als hervorragenden Regisseur, dem er eine große Zukunft voraussagte. Gutes Abendessen in heiterer Stimmung vereinigte die Mitwirkenden und das Publikum; getanzt wurde nicht, ich habe Jensen nie tanzen sehen, und ich glaube, er wußte, daß er sich nicht dafür eignete. - Jensen hatte eine Vorliebe für das Buch (S. 21) "Blüten aus dem Treibhause der Lyrik", er hatte das Buch stets bei sich und zog es bei jeder Gelegenheit aus seiner Tasche, um daraus vorzutragen. Eines Abends las er mir das Gedicht "Dulcamara" vor und bat um mein Urteil. Ich lachte und sagte: "Das ist ja Unsinn". Da antwortete er: "Dieses Gedicht ist für mich einer der Gradmesser, um zu prüfen, auf welchem geistigen Standpunkte die jungen Mädchen stehen".[1]Natürlich waren wir empört über ihn.

 

    Wilhelm Jensen und ich waren durch das häufige Zusammensein in Kiel näher bekannt geworden, und meine Eltern luden ihn ein, uns in Schleswig zu besuchen. Meine Mutter war sehr erstaunt, daß er in einem so vernachlässigten Aufzuge erschien, und sie sagte ihm, daß er mit den defekten Stiefeln nicht in ihre Zimmer kommen dürfe. Er mußte sich dem Zwang auferlegen, zu Hause zu bleiben, bis der Schuster die Stiefel salonfähig gemacht hatte, und er hielt es für selbstverständlich, daß meine Mutter die Reparatur bezahlte. Meine Eltern amüsierten sich sehr über die feurige, lebhafte Art, mit welcher er seine jugendlichen und modernen Ansichten vorbrachte und verteidigte, und unsere Abendstunden waren durch die Wortkämpfe und durch das Verfechten der Meinungen anregend und belebend. Trotzdem wir soviel zusammenwaren, hatten Wilhelm Jensen und ich keine Fühlung miteinander, und wir blieben uns fremd.

 

    In späteren Jahren, als ich in Kiel verheiratet war, kam das Ehepaar Jensen nach Kiel und wohnte bei Fräulein Moldenhauer. Auf einer Gesellschaft führte Dr. Jensen meine Schwägerin zu Tisch, er fand ihren Namen "Hermine" so eigenartig und hübsch, daß er ihr sagte, er würde ihn in einer seiner Novellen anbringen. Bald darauf erschienen die "Lübecker Novellen" und ein junges Mädchen trug den Namen Hermine.[2]Sie hat aber einen so minderwertigen Charakter, und sie ist so unsympathisch geschildert, daß meine Schwägerin nicht gerade entzückt war, als sie die Novelle las. Mehrere Jahre war Dr. Jensen Redakteur einer Zeitung in Flensburg, und in diese Zeit fiel die nähere Bekanntschaft mit meinem Bruder Hermann Heiberg in Schleswig und mit Theodor Storm in Husum.[3]Die drei Schriftsteller schlossen sich eng aneinander an, trotz ihrer so sehr verschiedenen Lebensauffassung und der Art ihrer Begabung und ihrer Schriften. Dr. Jensen schrieb und dichtete damals schon viel, aber erst das Vermächtnis seiner Wohltäterin und der Erlös aus dem Verkauf des großen Besitzes in Kiel versetzten ihn in die Lage, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Seine Romane und (S. 22) Novellen wurden viel und gern gelesen, er war einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Er hat aber wohl nie die Empfindung gehabt, ein echter Schleswig-Holsteiner zu sein, und seine süddeutsche Frau, die sehr schön, gescheit und belesen war, konnte sich mit der steifen, kalten norddeutschen Wesensart nicht befreunden. Auch der Verkehr unter uns Frauen wurde keine Freundschaft, und jede Beziehung hörte auf, als Jensens nach dem Süden zogen und später in Freiburg im Breisgau lebten.[4]

 

    Ein ganz persönliches Andenken an Wilhelm Jensen und die gemeinsam verlebte Jugendzeit besitze ich durch ein Gedicht, welches er mir in das Stammbuch schrieb und das ich hiermit der Öffentlichkeit übergebe:

                 

                

                An Fräulein Nanny Heiberg, Schleswig 1859.

 

                Es haben manche schon zuvor geschrieben

                Auf diese Blätter, .. und wie jene sich,

                So hab' auch ich in diesen Zeilen mich

                Bewegt in Formen, die wir Menschen lieben.

 

                Und jenen gleich ist nichts darin geblieben

                Als kalter Worte kaltgemalter Strich - 

                Als die Erinn'rung, daß Gedanken ich

                Gehabt dabei, die ich zurück getrieben.

 

                Allein mit dem, was uns Gebrauch und Sitten

                Erlauben - Glück - Gesundheit - langem Leben -

                Ist's mir zuwider, dich zu überschütten.

 

                Ich wollt', ich könnt dir eine Blume geben, 

                Die dir gleich, Zauberfee, in Herzenstiefe

                Der Jugend ew'ge Frühlingsblüten schüfe.

 

 

R.P.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1]Anonym (id est: Martin Drucker/Adolf Zander): Blüthen aus dem Treibhause de Lyrik. Leipzig (Joh. Ambr. Barth) 1855. Dies ist ein Büchlein (10x13) von 79 Seiten mit meist kurzen Parodien oft im Ton Heines wie S. 42 f. Lorelei CCCLVI (Am Schalttage zu singen). Namen von Autoren sind nicht ausgewiesen, nur die Titel suggerieren offen eine Vorlage. S. 45-46 (auf ein "bittersüßes Nachtschattengewächs"):

 

Dulcamara

Eine Vision

 

Der Donner rollt. Es leuchten seine Flammen

Durch der Atome wilde Blitzesnacht,

Und in des Seins geheimnisvoller Macht

Stürzt Spär' an Sphäre liederreich zusammen.

 

Was zagst Du, Mensch? Die Lilie lockt Dich an;

  Die Laue Liebe lobt den Steuermann,

  Und wo des Todes reine Wolken rufen,

Stürzt Pegasus mit gluterfüllten Hufen.

 

Was zagst Du, Mensch, wenn Diademe zürnen.

  Der Wesen purpurfarbige Gestalt

  Durch Berg und Thal zum fernen Aether wallt?

Was schrickst Du vor des Weltalls kalten Stirnen?

 

Solch ein Phantom sah nie die Erde leuchten.

  So zitterten der Palme Nerven nie,

  So bebte nie des Dämons Phantasie,

Als wo die Eumeniden sie erreichten!

 

Du hast gesiegt: Du sahst den Aether schäumen,

  Dich beugte des Polypen Majestät,

  Dich schreckt der Hauch, der um die Himmel weht,

Wenn sie zum Horizont sich krachend bäumen.

 

Wer nicht mit Palmen will sein Leben schmücken,

  Wiewohl Natur ein sehnend Herz ihm gab,

  Der muß der Lilie Odem an sich drücken,

Von allen Blumen Diademe pflücken, 

  Und dann sich legen in das Grab.

 

Ist diese universale Vision über die Ambivalenz von Leben und Sterben wirklich der Text gewesen, der die jungen Mädchen empört, weil er ihre emotionale Reife prüfend soll?  Die fast 90jährige Autorin erinnert sich nicht nur vage in der Datierung. Wilhelm Jensen war Kieler Gymnasialschüler bis 1855. Er besteht Michaeli 1856 das Abitur am Lübecker Katharineum. Es ist also eher der 17jährige, der die Schulaufführung leitete und Mädchen provozierte. Aber doch nicht mit diesem Text: er wird, und das Sonett an Fanny Friedrichs spricht formal dafür - in der ganzen Anthologie gibt es kein einziges Sonett -, sich des barocken Originals bedient haben:

 

 

Paul Fleming:

 

Wie kan ich ohne Haß, dich, Dulcamara, lieben,

du Bittersüße du? Bald bist du gar zu gut,

bald, wenn ein schlechter Wahn ersteiget deinen Mut,

so steht mein naher Tod an deiner Stirn geschrieben.

 

So lange hast du nun diß Spiel mit mir getrieben.

Sag', ob dir meine Pein denn also sanfte tut,

ob dich mein Frohsein schmerzt? so weiß ich, teures Blut,

daß ich bei Lust und Not die Maße mehr muß üben.

 

Wär' ich, wie du gesinnt, so könt' auch ich, wie du,

10 

bei gleichem Mute sein inzwischen Müh' und Ruh,

11 

inzwischen Leid' und Lust bei einem Herzen stehen.

 

12 

So, weil ich standhaft bin, weichst du ohn' Unterlaß.

13 

Wie kan es anders sein? Ich muß zu Grunde gehen

14 

durch dich, gehaßtes Lieb, durch dich, geliebter Haß.

 

 

 

[2]Vgl. Wilhelm Jensen: Späte Heimkehr. In: Lübecker Novellen 1869.

[3]Hermann Heiberg (1840-1910), heute vergessener realistischer Autor von Romanen und Novellen ab 1881. Gesammelte Werke in 18 Bänden 1895-96. Neu sind ediert: "Apotheker Heinrich". Berlin (Hofenberg) 2017 sowie "Aus allen Winkeln" Novellen, dto. 

[4]Im Sommer 1876.

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